Interview - Andreas Ecker
Andreas ist in gewisser Hinsicht schuld daran, dass das zentrale Werkzeug meines Studios ein KORG OASYS geworden ist und somit auch indirekt verantwortlich für diesen Weblog. Daher ist es nur logisch und fair ihn als ersten deutschsprachigen Interviewpartner einzuladen.
Bevor es aber losgeht folgender Hinweis für diejenigen, die interessiert wie wir einander kennen lernten: http://www.musicianslife.de/2006/11/11/virtuelle-kollaborationen/
blogasys: Andreas, kannst Du uns ein wenig über Deinen musikalischen Werdegang erzählen?
AE: Gerne, aber ich bin ja schon alt, und da geht das nicht mit drei Sätzen…
Mit 8 Jahren haben mich meine Eltern ans Klavier gesetzt. Etwas spät, mit 15, entdeckte ich meine Leidenschaft für Rock und Pop. Ich begann, auf den Eimern eines bekannten deutschen Waschmittelherstellers zu trommeln. So wurde ich Schlagzeuger und gründete meine erste Band, Mitte der Siebziger. Etwas später stieß ich in einer anderen Formation auf einen Bassisten, der ständig bedröhnt war und in diesem erweiterten Bewusstseinszustand unbedingt trommeln wollte. Wir haben dann getauscht, und so wurde ich Bassist. Noch heute baue ich meine Stücke am liebsten auf Drums und Bass auf.

Mitte der Achtziger unterschrieb ich als Mitglied von „Scala“ meinen ersten Plattenvertrag bei ZYX. Die Scheibe wurde weltweit verkauft, und erreichte einen hohen Platz in den Hongkonger Charts, aber eine finanzielle Vergütung vom Label ist bei uns bis heute nicht eingetroffen. Ich glaube, da kommt auch nichts mehr. Trotzdem war es eine aufregende Zeit. Wir haben zwei Jahre beinahe rund um die Uhr in unserem Kellerstudio verbracht, kaum die Sonne gesehen, dafür aber die ersten Sampler und den DX7, und was es damals sonst noch an klangtechnischen Revolutionen gab, bis in die Tiefen ausgelotet. Bei der Fülle an Möglichkeiten, die heutige Instrumente bieten, ist es kaum noch noch vorstellbar, eine Anlage bis an die Grenzen der Belastbarkeit auszureizen.
Als die Band aufgrund privater Exzesse auseinanderbrach, zerplatzte für mich ein Traum und ich war eine Weile völlig am Boden. Seitdem arbeite ich überwiegend alleine. Die Erfahrungen mit unserer Plattenfirma haben mich von der Vorstellung geheilt, Musik zu machen, um reich und berühmt zu werden, also immer mit einem Auge nach dem Erfolg zu schielen. So etwas bringt einen nur vom Wesentlichen ab. Lieber einen eigenen Stil finden und weiter entwickeln. Dafür habe ich mehr als zehn Jahre gebraucht, die ganzen 90er. In der letzten Zeit ist es wieder zu fruchtbaren Zusammenarbeiten mit anderen Musikern gekommen; AntOnWax, Lavinia Jones, Sebastian Swigon und einem Klangästheten aus Wien, dessen Namen ich hier aber nicht nennen darf; das ist noch geheim.
blogasys: [lacht] … es folgt nun eine seltsam anmutende Frage, aber bei jemanden der derart umtriebig ist, ist sie wie ich finde durchaus berechtigt – wieso „machst“ Du Musik?
AE: Musik macht mich glücklich, hilft mir seelische Schwankungen auszubalancieren und ständig etwas Neues zu entdecken. Musik ist Mystik, Kommunikation mit dem Unbekannten, ein Paralleluniversum, in dem sich unser Leben spiegelt und vervollständigt.
blogasys: Welche Musik und welche Musiker haben Dich beeinflusst und warum?
AE: Menschen, die meine Musik hören, führen oft Vergleiche heran, die mich völlig verblüffen. Da fallen Namen von Komponisten, von denen ich nichts oder wenig gehört habe, z.B. Jean Michel Jarre oder Dead Can Dance oder Enigma. Inspiriert hat mich eher Frank Zappa und seine Mothers, ideenreich, virtuos, verrückte Gitarrensoli; dann die späteren King Crimson ab den 80ern wegen der hypnotischen polyrhythmischen Strukturen und die Belgische Avantgarde der 80er und 90er: Aqsak Maboul und COS. Das ist frische, humorvolle und ebenfalls virtuose Musik ohne ein stilistisches Korsett.

blogasys: Du bist ja mittlerweile bei dem Online Label „magnatune“ untergekommen, hast aber auch Dein eigenes gegründet – wie ist es dazu gekommen und welche Strapazen waren damit verbunden?
AE: Das war eigentlich alles ziemlich unstrapaziös. Ich habe einfach meine CDs zu magnatune geschickt und die haben mich genommen. Mein eigenes Label ist nur eine Homepage, die Sebastian Swigon mit viel Liebe zum Detail gestaltet hat. Nachdem ich mich umfangreich über die Schwierigkeiten und Hürden informiert habe, mit denen man bei einer ernsthaften Betreibung eines Labels hier in Deutschland zu kämpfen hat, habe ich davon wieder Abstand genommen. Der Aufwand an Nerven und Zeit im Kampf mit bürokratischen und teilweise monopolistischen Strukturen würde mir das rauben, was mir am wichtigsten ist: die Lust am Musikmachen.
blogasys: .. und damit nicht genug, nun hast Du auch noch begonnen Dich auf den visuellen Sektor zu stürzen? Wie kam es dazu und was wird hier in nächster Zeit von Dir zu erwarten sein?
AE: Ja, das ist wirklich ein schönes, neues Betätigungsfeld. 3D Animation hat mich schon immer interessiert. Einen ersten Versuch habe ich schon Mitte der 90er unternommen. Damals brauchte mein Rechner aber noch einen ganzen Monat für 15 Sekunden Film.
Auslöser für die Wiederentdeckung war mein Kontakt zu Sebastian Swigon, der mich mit seiner Arbeit auf die aktuellen graphischen Gestaltungsmöglichkeiten gebracht hat. Das „Malen“ meiner neuen CD-Cover hat dann den Stein endgültig ins Rollen gebracht.
Für mein erstes Video habe ich allerdings ganze drei Monate gebraucht. Ich musste mich erst einmal in die Programme einarbeiten, und dafür braucht man wirklich diese dicken Handbücher, die mir bei den Synthesizern immer weitgehend überflüssig vorkamen. Genau wie bei der Musik ist aber die Belohnung groß, wenn man die fertige Arbeit endlich vor sich hat und sich zurücklehnen kann. Mein Video habe ich neulich via Beamer auf einer 2×3m-Leinwand sehen können. Das hat mich schon umgehauen, und ich bin eigentlich immer sehr kritisch mit meinen eigenen Produkten und nicht schnell zufrieden. Aber diese Überlebensgröße des ganzen Geschehens hatte es einfach in sich.
Im Moment sammle ich Ideen für mein nächstes Video. Weil das bis zur Fertigstellung so eine Riesenarbeit ist, die mich sehr beansprucht und viel Konzentration erfordert, muss ich mich bei allem Spaß an der Sache schon etwas überwinden.

http://www.marsymusic.de/videos/Industrial%20Blues%20V3.wmv
blogasys: kannst Du uns einen Einblick in Dein derzeitiges Equipment gewähren?
AE: Na klar, Mac DUAL G5 1,8GHz, Steinberg Cubase 2.2, Moog Voyager (wurde mir seinerzeit wärmstens von einem Freund aus Wien empfohlen und ist unverzichtbar), Oasys,
blogasys: .. und da war es dann vice versa!
AE: Nord Modular G2, Melodyne, waves, TC und UAD-Plugins, BFD Drums, AVOX, Trilogy, Stylus, GRM-Tools, Marleaux-Bass, Steinberger Bass, PRS-Gitarre, Orville, Liquid Channel und ein 15 Jahre altes Mackie 32/8/2 Pult. Außerdem Mackie HR824 Boxen, die machen richtig Spaß. Soundtechnisch setze ich gerne mehrere Kompressoren hintereinander, arbeite prägnante Stellen mit dem Sony-Transienten-Modulator heraus oder, etwas softer, mit dem Dynamic EQ von TC. Für´s Mastern kommt fast immer das Valve-Interface von DSound zum Einsatz, das verleiht dem ganzen einen enorm warmen Druck.
Der Oasys war meine letzte teure Neuanschaffung. Der Preis hat mich erst einmal abgeschreckt. Aber eines Tages zog es mich magisch in den letzten verbliebenen größeren Musikladen meiner Region und dort habe ich mir das Ding angehört und auch gleich bestellt. Wenn es einen „Fehler“ bei diesem Gerät gibt, dann den, dass man aufgrund der hohen Audioqualität und des Reichtums an extrem gelungenen Presets nicht lange experimentieren braucht, um das Passende zu finden. Die Modulation mittels Vector-Stick, die Karma-Funktion und die hochwertige Effektbatterie führen einfach zu schnell zum Ziel. Deshalb habe ich bislang nur die Oberfläche angekratzt und kann nur sagen, dass dieses Gerät –mal abgesehen vom Moog- der erste Hardware-Soundgenerator ist, bei dem ich nichts auszusetzen habe, und bei dem nicht das Gefühl aufkommt, dass man die meisten Presets erst einmal zurechtbiegen muß. Einfach inspirierend, gleichwohl ersetzt er nicht alles. Mein Clavia G2 und der Moog sind da prima Ergänzungen.
blogasys: Deine Produktionen zeichnen sich durch sehr prägnante Vocals aus, wie entstehen diese?
AE: Als Basis nehme ich am liebsten World-Vocal-Phrasen; die englischen Gesangsamples, die sich auf dem Markt tummeln sind mir zu mainstream-mäßig. Ich kann dieses „I love you baby yeah yeah…“ nicht mehr hören.
blogasys: [lacht]
AE: Manchmal zerlege ich die Phrasen mit einem Slicer und setze die Silben neu zusammen. Die Phrasen werden dann mit Melodyne an den Song angepasst, eine zweite und manchmal eine dritte Stimme generiert. Um den Gesang zu „schärfen“ benutze ich gerne Character, ein TC-Powercore Plugin und den Vocal-Kompressor von waves. Diese Kombination ist in der Handhabung sehr einfach und wirkungsvoll. Dopplungen bastele ich mir wiederum mit Melodyne. Um den Stimmen noch etwas mehr Intimität zu verleihen eignet sich eine Vocal-Effektspur mit einer winzigen Prise Antares AVOX und hier mit dem Atemgeräusch-Simulator. Mit Hall gehe ich äußerst sparsam um. Bei langsameren Stücken setze ich gerne waves Multitap-Delays ein, um den Gesang im Raum zu verteilen.
Die Zusammenarbeit mit lebendigen Sängerinnen macht natürlich mehr Spaß. Man muss sie nur erst einmal in erreichbarer Nähe finden. Deutscher Gesang ist nicht so mein Fall; ich bekomme da schnell Probleme mit der „message“, und schlechtes Englisch ist beinahe noch übler. Zum Glück habe ich AntOnWax kennen gelernt, der mir ein paar Lavinia-Jones Aufnahmen zur Verfügung gestellt hat. Die Arbeit damit hat mir großen Spaß bereitet und der Kontakt zu den Beiden funktioniert immer noch gut. Wahrscheinlich gibt es in Zukunft noch mehr The Headroom-Project-Remixe mit Lavinia, und wenn dann genug Material vorhanden ist, soll das zu Magnatune gehen.
blogasys: Vielen Dank für das Interview und vor allem auch dafür, dass Du uns einen Einblick in Deine Arbeitstechniken gewährt hast!
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Andreas’ eigenes Label:
http://www.marsymusic.de/
magnatune:
http://www.magnatune.com/
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