Interview e - Frank Kleinwaechter
Frank Kleinwächter alias „automix“ ist der vierte deutschsprachige Interviewpartner auf blogasys. Schon alleine die Tatsache, dass Frank einen Chapman Stick spielt hat meine Neugierde geweckt….

blogasys: Frank wie bist Du zur Musik gekommen und warum hast Du beschlossen selbst Musik zu komponieren?
FK: Ich denke mein Einstieg ins Musikmachen deckt sich mit dem vieler Musiker meines Jahrgangs. Ich bin Baujahr 1960 und habe Anfang der siebziger Jahre meine ersten musikalischen Gehversuche mit Gitarre und Bass gemacht. Zu dieser Zeit waren elektronische Klangerzeuger entweder noch nicht verfügbar oder von Hobby-Musikern nicht zu bezahlen. Damit war eigentlich auch schon die Musikrichtung vorgegeben. Die Beatles, Stones, Hollies, Lords, eben gitarrrenlastige Bands waren meine klaren Favoriten. Schule aus, ab in den Keller, altes Röhrenradio als Verstärker missbraucht und um vier Uhr morgens leise ins Bett geschlichen, damit die Eltern nicht wach werden. So in etwa war mein damaliger Tagesablauf. Da unsere “Band” nur aus zwei Personen bestand, musste jeder mehrere Parts übernehmen. Ich für meinen Teil spielte Gitarre, malträtierte mit dem linken Fuß eine Bassdrum, mit dem rechten Fuß ein Tambourin, und sang dazu. Wir haben in der Zeit Unmengen an Songs geschrieben, die ich heute, nachdem mich das Arbeitsleben meiner Kreativität beraubt hat, gerne noch einmal hören würde :).
blogasys: Wie ging es weiter?
FK: Dann kam die Zeit der “Volkssynthesizer”, in meinem Fall der Korg MS 20 und ein Crumar Performer. Viele Drehregler, blinkende Birnchen und nie gehörte Klänge. Das war alles sehr aufregend und neu. Synthetische Klänge kombiniert mit Gitarre, dazu ein bisschen Geklopfe von einem Orgel-Rhytmusgerät, was sollte danach noch kommen ?! Unglaublich, wie viel Spaß wir in dieser Zeit hatten. Wir haben immer gespielt. Während andere Bands an ihren Stücken gefeilt haben um sie zu perfektionieren, hieß es bei uns immer nur lass uns nicht lange reden sondern machen. Hatten wir gerade einen neuen ” Hammerhit ” fertig, war er schon wieder langweilig und der nächste musste her. Frei nach dem Motto ” der Weg ist das Ziel “.
blogasys: …. wie war das mit dem Chapman Stick?
FK: Ende der siebziger Jahre hatte ich dann auf der Frankfurter Musikmesse ein Schlüsselerlebnis. Da steht so ein Typ an seinem kleinen Stand (ich glaube es war Emmett Chapman persönlich) und spielte auf einem Holzbrett mit vielen Saiten gleichzeitig Bass und Sologitarre. Wow. Das war es was ich brauchte. Unglücklicherweise hätte ich mindestens eine Niere und ein Stück meiner Leber verkaufen müssen um auch nur annähernd an den Betrag, der für den Erwerb dieses Instrumentes erforderlich gewesen wäre, zu kommen. Damit war das Ding unerreichbar für mich und wurde erstmal tief in meinem Unterbewusstsein begraben. In den Jahren darauf habe ich dann als Drummer und Sänger in Oldiebands viele Gigs gespielt und nebenbei für den Ego-Trip ein kleines Homestudio eingerichtet. Den Stick habe ich aber während der ganzen Zeit nie komplett aus den Augen verloren. Mittlerweile besitze ich einen midifizierten Chapman-Stick aus Carbon, der neben dem Oasys mein absolutes Lieblingsinstrument ist.
blogasys: Kannst Du vielleicht kurz den Chapman Stick und die spezielle Art ihn zu spielen beschreiben?
FK: Der Stick ist ein zehn- oder zwölfsaitiges Instrument, das durch Tappen auf den Saiten gespielt wird. Soll heißen man schrammelt nicht sondern klopft auf dem Ding herum. Der Vorteil ist man hat beide Hände zum Spielen frei und muss nicht wie bei der Gitarre eine Hand dazu benutzen die Saiten in Schwingung zu bringen. Das gibt einem die Möglichkeit Bass, Begleitung und Solo gleichzeitig zu spielen. Den Stick bekommt man in unterschiedlichen Materialien und Tunings. Leider existiert kein deutscher Vertrieb, sodass einem nichts anderes übrig bleibt als direkt bei Emmett Chapman (dem Erfinder) in Amerika zu bestellen. Ich habe auf www.mediamax.com/automix drei kurze Demos hinterlegt, die live eingespielt sind und somit ganz gut die Spieltechnik zeigen. Auf der Seite www.stick.com kann man sich ausführlich über dieses Instrument informieren.

blogasys: Welche Musiker haben Dich beeinflusst und warum?
FK: Als erstes würde ich eindeutig die Beatles nennen. Geniale Akkordfolgen und schöner Satzgesang, das waren und sind für mich Bauteile, auf die es in der Musik ankommt. Über die Jahre hinweg sind allerdings viele andere Musiker und Bands wie z.B. Deep Purple, Pink Floyd, Udo Lindenberg, Queen, Johann Sebastian Bach usw. dazugekommen. Damit ich nicht aus der Rolle falle und die Tradition deiner bisherigen Interviewpartner fortführe, sei natürlich auch Depeche Mode genannt, die wie ich finde nie besser waren als heute. Ich glaube jeder wird in irgendeiner Form von der Musik “Seiner” Zeit geprägt. Das macht es wahrscheinlich auch so schwierig sich auf Neues einzulassen. Wenn ich mir meine letzten CD Käufe so anschaue, muss ich feststellen, dass ein Großteil davon Oldies sind. Das heißt ja nicht automatisch, dass jetzt keine gute Musik mehr gemacht wird. Die Musik heute transportiert nur eine andere Message.
blogasys: Sehe ich ähnlich und was Depeche Mode betrifft so ist “Ultra” für mich mit Abstand deren bester Release. Welche Musik hörst Du zurzeit und was macht diese interessant für Dich?
FK: Ich höre alles außer Volksmusik. Jede Musikrichtung hat ihre Reize und Lerneffekte. Vor 30 Jahren hätte ich mir niemals vorstellen können, dass ich einmal ein Fan von Jazz oder klassischer Musik sein würde. Ich hätte mir auch nicht vorstellen können, dass ich meiner Tochter Daniela bei der Interpretation eines zeitgenössischen Stückes auf der Mandoline lauschen würde. All diese Dinge tue ich heute und entdecke immer wieder Neues und Spannendes in der Musik. Überhaupt ist es unglaublich erfrischend wenn man sieht wie unbefangen und experimentierfreudig auch die heutige Generation junger Musiker an das Thema Musik herangeht. Eine Zeit lang hatte ich die Befürchtung, dass wir nur noch von einer Castingwelle zur nächsten schwappen und die Produzenten uns mit ihren Sing-Klonen quälen würden. Doch mittlerweile sehe ich, dass sich neben den Bohlenquäkern ein grundsolides Fundament neuer Bands bildet, denen es erstmal wichtig ist ihr Ding durchzuziehen. Das tut gut und wird beweisen, dass sich nur die Musiker lange am Markt behaupten können, die es ehrlich mit ihrer Musik meinen.
blogasys: Nun zu Deiner Musik, was waren Deine letzten Projekte und gibt es ein aktuelles Projekt an dem Du arbeitest?
FK: Es gibt keine Projekte im eigentlichen Sinn. Ich war und bin immer Freizeitmusiker gewesen, das aber mit Herz und Seele. Ich kenne (fast) nur zwei Zustände: Entweder ich arbeite, (womit ich leider viel zu viel Zeit verbringe), oder ich mache Musik. Dabei kann es sein, dass ich trommle, Keyboard, Stick, oder Gitarre spiele, dass ich singe oder anders Geräusche produziere. Dabei bin ich weit davon entfernt richtig gut zu sein, aber ich mache Musik und das ist es was meiner Meinung nach zählt. Jedenfalls für mich. Ich bin heute an einem Punkt angelangt, wo es mir nur noch darum geht, wie viel ich für mich selbst aus meiner Musik ziehen kann und wo es weniger darum geht anderen zu gefallen. Diese Freiheit hat man aber nur wenn man nicht von seiner Musik leben muss. Ich bin nicht ehrgeizig in Bezug auf Musik, sondern verliebt.
Leider führt diese Einstellung aber auch dazu, dass man keine greifbaren Ergebnisse mehr produziert. So ist es mir in den letzten Jahren nicht mehr gelungen Songs wirklich fertig zu stellen und diese dann auch vernünftig aufzunehmen. Die Idee ist da, es entstehen Fragmente, aber es fehlt mir ein wenig die Energie daraus etwas Fertiges zu machen. Ich denke, dass ich mit diesem Problem nicht alleine bin. Vermutlich geht es vielen Musikern so, was auch der Grund dafür sein dürfte, dass alle auf der Suche nach dem ultimativen Werkzeug sind. Denn wenn wir mal ehrlich sind stellt sich doch die Frage, brauchen wir denn wirklich noch das fünfte Hall Plug In oder den jetzt aber ultimativen 303 Emulator ?!

blogasys: Welches Equipment hast Du eingesetzt und was sind Deine Lieblings“werkzeuge“ im Studio?
FK: Da ich ja weiß, dass du ein bekennender Fan der Korg Wavedrum bist…
blogasys: In der Tat!
…sollte ich damit vielleicht anfangen. Die Trommel ist immer für abgedrehtes Klangmaterial gut. Ich verfüge auch noch über den passenden RE1 Editor und somit lassen sich schön lebendige Sounds programmieren. Schade ist nur, dass man die Wavedrum nicht über ein Midikeyboard ansprechen kann, obwohl In, Out und Thrue Buchsen auf der Rückseite zur Verfügung stehen. Um gleich in der Drumabteilung zu bleiben, wäre da noch mein Handsonic von Roland zu nennen, an das ich ein Kick und HiHat Pedal angeschlossen habe und somit ein komplettes Drumkit spielen kann. Die von mir am meisten genutzten Gitarren, sind auf der elektrischen Seite eine alte Framus und für die Akustik eine Ovation Elite. Synthesizer benutze ich natürlich auch. Hier seien neben dem Oasys mein MS 20, Technics WSA 1 , Wavestation A/D, Deep Bass Nine und meine Roland Gitarrensynth genannt. Für die Stimme benutze ich ein Voicelive von TC-Helicon zusammen mit einem T-Bone Röhrenmikrofon.
blogasys: Was war für Dich ausschlaggebend Dir einen OASYS zu kaufen?
FK: Ganz klar das All-In-One Konzept. Der Wunsch alles in einem Gerät zu haben verfolgt mich schon so lange wie ich Musik mache. Ich habe ja die Entwicklung der Musikelektronik von Anfang an miterlebt und versprochen wurde uns Musikern schon viel was in diese Richtung ging. Ich denke, der Oasys ist nahe dran diese Versprechen einzulösen. Ich bin auch gerade dabei mein Gerätepark Stück für Stück abzubauen, damit ich nicht immer wieder von dem ganzen Zeug abgelenkt werde. Mit dem O und ein kleines bisschen zusätzlich lässt sich glaube ich ganz hervorragend Musik machen. Die Konzentration auf das Wesentliche ist meiner Ansicht nach ein ganz wichtiger Punkt beim Musizieren. Was man braucht sind ein paar amtliche Sounds, die Möglichkeit das Ganze mit analogen Audiosignalen zu kombinieren und ein Platz an dem alles zusammengeführt wird. Genau das bietet der Oasys und ist somit für mich die ideale Plattform.
blogasys: Was schätzt Du am meisten am OASYS und was fehlt ihm Deiner Meinung nach?
FK: Über die erstklassige Klangqualität, den tollen Touchscreen, die Möglichkeit neue Effekte und Klangerzeuger zu implementieren, ist glaube ich genug geschrieben worden, deshalb muss ich mich nicht auch noch darüber auslassen. Ich will viel lieber gleich zu dem Punkt kommen, der mir persönlich am meisten am Herzen liegt, nämlich dem Sequenzer. Ich habe die meiste Zeit fürs Sequenzing einen Atari in Verbindung mit Cubase benutzt. Das Ding läuft super stabil und grooved wie Sau. Der schwarz/weiß Bildschirm ist nur unwesentlich größer als der des Oasys, was mich aber nie wirklich gestört hat. Seit ich den Atari ausrangiert habe, ärgere ich mich mit allen möglichen Softwaren rum, die alle schön bunt sind, aber nie wirklich stabil laufen, geschweige denn auch nur annähernd so schön auf den Punkt kommen wie das Atari-Cubase. Also war meine Überlegung den Atari zu reanimieren oder einen Hardwaresequenzer zu benutzen. Genau in diese Entscheidungsfindung platzte der Oasys. Ich nahm an, dass damit alle meine Probleme gelöst wären. Weit gefehlt. Der Oasys hat, meiner Meinung nach, zur Zeit noch gar keinen Sequenzer, der auch nur halbwegs entspanntes Arbeiten zulässt. So bleibt für mich nur zu hoffen, dass sich Korg endlich erbarmt und den O-Sequenzer auf den Stand bringt, der einem Gerät dieser Klasse zusteht. Was mir persönlich noch gefallen würde wäre so etwas wie die Song-Templates übertragen auf alle Bereiche des Oasys. Wie gerne würde ich mir von Profis vorschlagen lassen wie z.B. ein amtlicher Gesangshall zu klingen hat. Oder wie ich mehr Lautheit in den Finalen Mix bekomme. So etwas wie der ” Mastering Room ” bei der Roland VS Reihe. Das spart eine Menge Zeit und führt oftmals zu besseren Ergebnissen. Wer sagt denn, dass Leute die Musik machen auch gleichzeitig fit in der Anwendung von Studiotechnik sein wollen ? Ich bin sowieso total überrascht darüber wieviel ” Hobbyisten ” sich den Oasys gekauft haben. Wenn man in den einschlägigen Foren liest kann man den Eindruck gewinnen, dass der O einen ganz anderen Markt bedient als sich das Korg vielleicht vorgestellt hat. Also ihr lieben Korgs gebt uns Templates :). Die Karmafunktion z.B. geht da genau in die richtige Richtung. Die neue Software, an der Stephen Kay zurzeit arbeitet wird die Funktionalität von Karma nochmal einen riesen Schritt nach vorne bringen. Schade ist eigentlich nur, dass die Bearbeitung außerhalb des Oasys auf einem externen Rechner stattfinden muss. Es ist auf jeden Fall schön zu wissen, dass man sich mit dem Oasys ein Gerät gekauft hat, das über Jahre hinweg mit neuem Material versorgt wird und von Leuten wie Stephen Kay einen Support erfährt, der glaube ich einzigartig in der Branche ist. Ich für meinen Teil habe jedenfalls zu keinem Zeitpunkt die Investition in diese herausragende Workstation bereut.
blogasys: Danke Frank für das Interview!
______________________________________________
© for all fotos Frank Kleinwaechter
Viewed 16466 times by 7195 visiters